Jeden Tag dasselbe: Streit wegen des Handys, Konflikt wegen der Bildschirmzeit. Sie wissen nicht, wie viel Zeit normal ist und wie man Regeln etabliert, ohne ständige Streitereien.
In der Zwischenzeit zu Hause:
- der Jugendliche sitzt stundenlang am Handy, reagiert nicht auf Bitten;
- die Schule wird verschoben, der Schlaf gestört;
- jedes «Genug, mach aus» endet mit Geschrei, Vorwürfen oder einer zugeschlagenen Tür;
- Sie fühlen sich hilflos: «Wir wissen nicht, wo die Grenze zwischen normal und süchtig ist».
Und die Frage entsteht: Wie etabliert man Bildschirmzeit-Regeln, die wirklich funktionieren und nicht zu einem täglichen Krieg werden?
Ich bin Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg. In diesem Artikel erkläre ich:
- warum Bildschirmzeit-Regeln wichtig sind und wie Bildschirme Jugendliche beeinflussen;
- wie man Regeln etabliert, die funktionieren, ohne ständige Konflikte;
- was zu tun ist, wenn Regeln nicht eingehalten werden;
- wann professionelle Hilfe nötig ist.
Wenn Sie beim Lesen merken, dass Sie Ihre spezifische Situation besprechen möchten, können Sie über den Bereich «Für Eltern» ein Kennenlerngespräch vereinbaren.
1. Warum Bildschirmzeit-Regeln wichtig sind: Einfluss von Bildschirmen auf Jugendliche
Studien zeigen, dass übermäßige Bildschirmnutzung beeinflusst:
- Schlaf — blaues Licht blockiert die Melatoninproduktion, stört den Schlaf;
- Konzentration — ständige Benachrichtigungen reduzieren die Fähigkeit, sich auf Aufgaben zu konzentrieren;
- Selbstwertgefühl — Vergleich mit anderen in sozialen Medien senkt oft das Selbstwertgefühl;
- Körperliche Gesundheit — sitzende Lebensweise beeinflusst die allgemeine Gesundheit.
Aber wichtig zu verstehen: Nicht alle Bildschirmzeit ist gleich. Bildungs-Apps, Kommunikation mit Freunden, Kreativität — das ist nicht dasselbe wie endloses zielloses Scrollen.
2. Wie man Bildschirmzeit-Regeln etabliert: praktische Schritte
Schritt 1: Besprechen Sie gemeinsam, statt von oben zu diktieren
Regeln funktionieren besser, wenn sie gemeinsam erstellt werden:
- Erklären Sie warum — «Das ist wichtig für deine Gesundheit und deinen Schlaf»;
- Berücksichtigen Sie die Meinung des Jugendlichen — er hat ein Mitspracherecht;
- Seien Sie flexibel — Regeln können sich je nach Situation ändern (z. B. mehr Zeit am Wochenende).
Gemeinsame Diskussion schafft Verständnis und reduziert Widerstand.
Schritt 2: Etablieren Sie konkrete, verständliche Regeln
Konkrete Regeln sind klarer als vage:
- Zeit — 1–1,5 Stunden täglich an Schultagen, 2–3 Stunden am Wochenende;
- Schlafenszeit — Wi‑Fi wird um 22:00 Uhr ausgeschaltet (oder andere Zeit, aber fest);
- Orte — kein Handy beim Abendessen, im Schlafzimmer;
- Bedingungen — zuerst Hausaufgaben, dann Bildschirm.
Konkrete Regeln geben dem Jugendlichen klares Verständnis der Grenzen.
Schritt 3: Seien Sie konsequent
Konsequenz ist wichtig:
- Wenn Sie «Nein» sagen, bedeutet das «Nein» — ändern Sie Regeln nicht unter Druck;
- Bei Verstößen — Konsequenz — Bildschirmzeit auf den nächsten Tag verschieben (kein Geschrei, keine Drohungen);
- Erwachsene halten sich auch daran — wenn Sie bitten, beim Abendessen nicht aufs Handy zu schauen, schauen Sie auch nicht.
Konsequenz schafft Vorhersehbarkeit und reduziert Konflikte.
Schritt 4: Schaffen Sie Alternativen
Bildschirme füllen oft eine Leere. Schaffen Sie Alternativen:
- Offline-Aktivitäten — Sport, Musik, Kunst, Treffen mit Freunden;
- Gemeinsame Aktivitäten — Kochen, Spaziergänge, Spiele ohne Bildschirme;
- Hobbys — was mag der Jugendliche ohne Bildschirm tun?
Alternativen geben dem Jugendlichen die Möglichkeit, sich von Bildschirmen zu erholen und andere Freudenquellen zu finden.
3. Was tun, wenn Regeln nicht eingehalten werden
Wenn der Jugendliche Regeln bricht:
- Nicht schreien, nicht drohen — das verstärkt nur den Widerstand;
- Erinnern Sie ruhig an die Vereinbarung — «Wir haben vereinbart, dass Wi‑Fi um 22:00 Uhr ausgeschaltet wird»;
- Wenden Sie Konsequenz an — Bildschirmzeit auf den nächsten Tag verschieben;
- Besprechen Sie, warum es wichtig ist — keine Vorlesung, sondern zuhören und Ihre Position erklären.
Wenn das monatelang nicht funktioniert und Konflikte zerstörerisch werden — ist professionelle Hilfe nötig.
4. Wann professionelle Hilfe nötig ist
Wenden Sie sich an einen Fachmann, wenn:
- der Jugendliche trotz Regeln nicht aufhören kann;
- Konflikte wegen Bildschirmen ständig und zerstörerisch geworden sind;
- es Anzeichen von Sucht gibt (Isolation, Verweigerung von Aktivitäten, Aggression bei Einschränkung);
- Bildschirmzeit Schlaf, Schule, Beziehungen beeinflusst.
Das ist keine Schwäche — das ist Fürsorge. Bildschirmsucht kann ein Symptom tieferer Probleme sein. Beratung für Eltern in Nürnberg kann helfen, die Ursache zu finden und die Strategie zu ändern.
5. Häufig gestellte Fragen zur Bildschirmzeit
Wie viel Bildschirmzeit ist normal?
Es gibt keine universelle Norm. Wichtiger ist nicht «wie viel», sondern «wie»: Beeinflusst es Schlaf, Schule, Beziehungen? Kann der Jugendliche aufhören, wenn gebeten? Gibt es Offline-Aktivitäten?
Kann man Bildschirme komplett verbieten?
Technisch — ja. Aber das ist keine Lösung: Der Jugendliche findet einen Weg, Bildschirme zu nutzen (bei Freunden, in der Schule). Besser ist es, vernünftige Regeln zu etablieren als ein komplettes Verbot.
Was tun, wenn der Jugendliche Bildschirme als Flucht vor der Realität nutzt?
Wenn Bildschirme ein Weg sind, Stress, Konflikten, Langeweile zu entkommen, muss man an der Ursache arbeiten, nicht am Symptom. Das erfordert professionelle Hilfe.
6. Wenn Hilfe nicht «irgendwann», sondern jetzt nötig ist: wichtige Kontakte in Deutschland
Wenn Sie ein Lebensrisiko sehen oder das Gefühl haben, dass die Situation außer Kontrolle gerät, warten Sie nicht auf einen freien Termin — weder bei einem Berater, noch bei einem Coach, noch bei einem Therapeuten.
Bei akuter Lebensgefahr (Suizidgedanken, Selbstverletzung):
- 112 — Notruf (rund um die Uhr);
- 110 — Polizei (wenn direkte Gefahr für die Sicherheit besteht).
Krisenpsychologische Hilfe:
- Telefonseelsorge:
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos, anonym); - Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche):
116 111 (Mo–Sa 14:00–20:00, kostenlos); - Nummer gegen Kummer (für Eltern):
0800 111 0 550 (Mo–Fr 9:00–11:00, Di und Do 17:00–19:00, kostenlos).
Offizielle Hilfeportale für Familien:
- Familienportal des BMFSFJ — offizielles Portal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) — Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Krisenhilfe:
- Nummer gegen Kummer — offizielle Informationen zu Beratungstelefonen für Kinder, Jugendliche und Eltern
- Telefonseelsorge — Telefonseelsorge (rund um die Uhr)
Wichtig: Dieser Text ist keine Diagnose und kein Ersatz für eine persönliche Beratung oder medizinische Hilfe.
Wenn Sie bei einem Jugendlichen ernsthafte Veränderungen im Verhalten oder emotionalen Zustand bemerken, ist es besser, dies mit einem Fachmann zu besprechen, als zu hoffen, dass es «von selbst vorbeigeht».
Autorin: Irina Kimnatna, Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg.