Mobbing in der Schule: Erste Schritte für Eltern

Wie man Mobbing in der Schule erkennt, die Situation nicht verschlimmert und die Schule in Nürnberg richtig einbindet. Cybermobbing, Hilfe bei Mobbing, rechtliche Aspekte.

Manchmal beschreiben Eltern es so: «Der Jugendliche kommt weinend aus der Schule. Oder umgekehrt — verschließt sich im Zimmer und will nicht sprechen. Wir spüren, dass etwas nicht stimmt, wissen aber nicht genau was. Vielleicht ist es einfach ein Konflikt? Oder schon Mobbing?»

In der Zwischenzeit zu Hause:

  • der Jugendliche vermeidet Schule, ist oft «krank»;
  • Sie sehen Verhaltensänderungen — Reizbarkeit, Rückzug, Tränen;
  • Dinge gehen verloren oder werden beschädigt, aber der Jugendliche erklärt nicht warum;
  • Sie vermuten, dass etwas Ernstes passiert, wissen aber nicht, wie Sie helfen können.

Und die Frage entsteht: Wie erkennt man Mobbing und was tut man, um die Situation nicht zu verschlimmern?

Ich bin Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg. In diesem Artikel erkläre ich:

  • wie man Mobbing erkennt (Anzeichen und Symptome);
  • was zu Hause in den ersten Tagen zu tun ist;
  • wie man richtig mit der Schule arbeitet;
  • wann professionelle Hilfe nötig ist.

Wenn Sie beim Lesen merken, dass Sie Ihre spezifische Situation besprechen möchten, können Sie über den Bereich «Für Eltern» ein Kennenlerngespräch vereinbaren.

1. Wie man Mobbing erkennt: Anzeichen und Symptome

Was ist Mobbing

Mobbing ist wiederholtes Handeln mit Machtungleichgewicht. Das ist kein einmaliger Konflikt, sondern systematische Gewalt:

  • Wiederholung — passiert regelmäßig, nicht zufällig;
  • Machtungleichgewicht — einer ist stärker (physisch, sozial, psychologisch);
  • Absicht — Ziel ist, Schaden zuzufügen;
  • Isolation — Opfer kann sich nicht wehren.

Mobbing kann physisch, psychologisch oder online (Cybermobbing) sein.

Wichtig zu verstehen:

  • Mobbing ist nicht die Schuld des Opfers. Niemand «verdient» Mobbing;
  • Das ist kein «normales» Verhalten von Kindern. Das ist Gewalt, die Intervention erfordert;
  • Je früher Sie handeln, desto besser die Prognose.

Anzeichen von Mobbing: worauf achten

Psychosomatische Symptome:

  • Bauch- oder Kopfschmerzen vor der Schule;
  • Schlafprobleme (Schlaflosigkeit, Albträume);
  • Appetitverlust oder Überessen;
  • häufige «Krankheiten» vor der Schule.

Verhaltensänderungen:

  • Vermeidung von Schule («Ich gehe nicht», «Mir ist schlecht»);
  • Änderung des Schulwegs;
  • Verlust von Dingen, zerrissene Kleidung;
  • Tränen nach der Schule;
  • Reizbarkeit oder starker Rückzug;
  • Verlust von Interesse an dem, was früher Spaß gemacht hat.

Online-Anzeichen (Cybermobbing):

  • Beleidigende Nachrichten in Chats;
  • Ausschluss aus Gruppen;
  • Fake-Accounts mit Ihrem Namen;
  • Verbreitung von Fotos ohne Zustimmung;
  • Drohungen in sozialen Medien.

Wenn Sie mehrere dieser Anzeichen sehen, könnte es Mobbing sein. Ignorieren Sie es nicht — handeln Sie.

2. Erste Schritte zu Hause: was sofort zu tun ist

Schritt 1: Hören Sie zu und unterstützen Sie

Das Wichtigste — dem Jugendlichen zeigen, dass Sie auf seiner Seite sind:

  • Hören Sie ruhig zu — nicht unterbrechen, keine «Warum»-Fragen;
  • Danken Sie für Vertrauen«Danke, dass du es erzählt hast. Das war mutig»;
  • Beschuldigen Sie nicht — keine «Warum hast du dich nicht gewehrt?» oder «Du hättest zurückschlagen sollen».

Der Jugendliche fühlt sich bereits schuldig. Ihre Aufgabe — dieses Schuldgefühl zu nehmen.

Was zu sagen:

  • «Ich sehe, dass es dir weh tut. Ich bin bei dir.»;
  • «Das ist nicht deine Schuld. Niemand verdient eine solche Behandlung.»;
  • «Wir werden das zusammen klären. Du bist nicht allein.».

Was NICHT zu sagen:

  • «Warum hast du dich nicht gewehrt?»;
  • «Du hättest früher Bescheid geben sollen»;
  • «Ignoriere es einfach» (funktioniert bei Mobbing nicht);
  • «Löse es selbst».

Schritt 2: Nehmen Sie Schuldgefühle weg

Opfer von Mobbing fühlen sich oft schuldig. Wichtig ist zu erklären:

  • Verantwortung liegt beim Aggressor — er macht falsch, nicht Ihr Kind;
  • Mobbing ist Gewalt — das ist kein «normales» Verhalten;
  • Hilfe suchen ist Stärke — nicht Schwäche.

Das ist kritisch wichtig für die Wiederherstellung des Selbstwertgefühls.

Schritt 3: Dokumentieren Sie alles

Führen Sie ein Tagebuch der Vorfälle:

  • Daten und Zeiten — wann es passiert ist;
  • Wer — Namen (wenn bekannt);
  • Was — konkrete Handlungen (Beleidigungen, Schläge, Ausschluss aus Gruppe);
  • Wo — Ort (Schule, online, auf dem Weg);
  • Zeugen — wer gesehen hat;
  • Fotos/Screenshots — blaue Flecken, beleidigende Nachrichten, Screenshots von Chats.

Dokumentation ist nötig für die Arbeit mit der Schule und, bei Bedarf, mit Strafverfolgungsbehörden.

Schritt 4: Handeln Sie nicht allein

Schreiben Sie Tätern oder deren Eltern nicht direkt — das kann:

  • Risiko für Ihr Kind erhöhen;
  • Konflikt eskalieren;
  • rechtliche Probleme schaffen.

Arbeiten Sie über die Schule — das ist ein systematischer Ansatz, der funktioniert.

Schritt 5: Bewerten Sie Risiko

Prüfen Sie, ob es Anzeichen einer kritischen Situation gibt:

  • Selbstwertgefühl — drastisch gefallen?
  • Suizidgedanken — gibt es Hinweise?
  • Selbstverletzung — Schnitte, Verbrennungen?
  • Vollständige Isolation — kommt nicht aus dem Zimmer?

Bei jedem Hinweis auf Suizidgedanken — sofort zur Krisenhilfe (112, Telefonseelsorge).

3. Arbeit mit der Schule: systematischer Ansatz

Vorbereitung auf Treffen mit Schule

Vor dem Treffen bereiten Sie vor:

  • Dokumentation — Tagebuch der Vorfälle, Fotos, Screenshots;
  • Konkrete Fakten — Daten, Namen, was passiert ist;
  • Konkrete Bitten — was Sie von der Schule wollen.

Gehen Sie ruhig, mit Fakten, ohne Emotionen. Emotionen sind verständlich, aber für die Schule sind Fakten wichtig.

Treffen mit Klassenlehrer und Schulsozialarbeit

Beim Treffen:

  1. Präsentieren Sie Fakten — ruhig, mit Dokumentation;
  2. Erklären Sie Folgen — wie es Ihr Kind beeinflusst;
  3. Bitten Sie um konkrete Maßnahmen:
    • Aufsicht in Pausen;
    • Sitzordnung im Klassenzimmer (Täter und Opfer trennen);
    • Kontrolle der Pausen;
    • Plan von Gesprächen mit Täter;
    • Follow-up nach 1–2 Wochen.

Was von der Schule zu bitten:

  • Schutzmaßnahmen (Aufsicht, Sitzordnung);
  • Arbeit mit der Klasse (Mobbing-Prävention);
  • Aktionsplan mit konkreten Fristen;
  • Regelmäßiges Follow-up (nach 1–2 Wochen prüfen, ob es funktioniert).

Einbindung von Schulsozialarbeit und Vertrauenslehrer

In deutschen Schulen gibt es Ressourcen:

  • Schulsozialarbeit — Sozialpädagogen, die mit Konflikten arbeiten;
  • Vertrauenslehrer — Lehrer, an die man sich wenden kann.

Binden Sie sie in die Arbeit ein. Sie kennen das System und können helfen.

Cybermobbing: besondere Schritte

Wenn Mobbing online passiert:

  • Bringen Sie Screenshots — Dokumentation ist kritisch wichtig;
  • Bitten Sie um Prävention — Arbeit mit der Klasse über Cybermobbing;
  • Wenden Sie sich an Plattform — melden Sie Verstoß (Instagram, TikTok, WhatsApp);
  • Stellen Sie Privatsphäre ein — begrenzen Sie Zugang zum Profil.

Cybermobbing ist nicht weniger gefährlich als physisches — es passiert 24/7 und lässt keinen «sicheren Ort».

4. Wann professionelle Hilfe nötig ist

Wenden Sie sich an einen Fachmann, wenn:

  • keine Verbesserungen nach Arbeit mit Schule (Situation dauert an);
  • starke Angst oder Depression beim Jugendlichen;
  • Selbstverletzung (Schnitte, Verbrennungen);
  • längerer Abfall des Selbstwertgefühls (wochenlang);
  • Suizidgedanken oder Hinweise;
  • vollständige Isolation von Freunden und Familie;
  • Weigerung, zur Schule zu gehen aus Angst.

Das ist keine Schwäche — das ist Fürsorge. Mobbing kann zu ernsthaften Folgen führen. Professionelle Hilfe kann helfen, Selbstwertgefühl wiederherzustellen und Werkzeuge zum Schutz zu geben. Beratung für Eltern in Nürnberg kann helfen, die Situation zu verstehen und Lösungen zu finden.

5. Häufig gestellte Fragen zu Mobbing

Wie unterscheidet man Mobbing von normalem Konflikt?

Konflikt — das ist ein einmaliger Zusammenstoß, wo beide Seiten sich wehren können. Mobbing — das ist wiederholte Gewalt mit Machtungleichgewicht, wo Opfer sich nicht wehren kann. Wenn es regelmäßig passiert und einer immer leidet — ist es Mobbing.

Was tun, wenn die Schule nicht reagiert?

Wenn die Schule nicht auf Ihre Anfragen reagiert:

  1. Wenden Sie sich schriftlich an den Direktor (mit Dokumentation);
  2. Wenden Sie sich an das Schulamt (Bildungsverwaltung);
  3. Bei Bedarf — an einen Anwalt;
  4. Parallel — professionelle Hilfe für den Jugendlichen.

Muss man das Kind in eine andere Schule versetzen?

Versetzung ist eine extreme Maßnahme. Versuchen Sie zuerst, das Problem in der aktuellen Schule zu lösen. Versetzung kann helfen, garantiert aber nicht, dass Mobbing sich nicht wiederholt. Wichtig ist, an Wiederherstellung des Selbstwertgefühls und Schutzfähigkeiten zu arbeiten.

Was ist Cybermobbing und warum ist es gefährlich?

Cybermobbing — das ist Mobbing über Internet (soziale Medien, Messenger). Es ist gefährlich, weil es 24/7 passiert, keinen «sicheren Ort» lässt und sich schnell und weit verbreiten kann. Dokumentieren Sie mit Screenshots und wenden Sie sich an Schule und Plattformen.

6. Wenn Hilfe nicht «irgendwann», sondern jetzt nötig ist: wichtige Kontakte in Deutschland

Wenn Sie ein Lebensrisiko sehen oder das Gefühl haben, dass die Situation außer Kontrolle gerät, warten Sie nicht auf einen freien Termin — weder bei einem Berater, noch bei einem Coach, noch bei einem Therapeuten.

Bei akuter Lebensgefahr (Suizidgedanken, Selbstverletzung):

  • 112 — Notruf (rund um die Uhr);
  • 110 — Polizei (wenn direkte Gefahr für die Sicherheit besteht).

Krisenpsychologische Hilfe:

  • Telefonseelsorge:
    0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos, anonym);
  • Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche):
    116 111 (Mo–Sa 14:00–20:00, kostenlos);
  • Nummer gegen Kummer (für Eltern):
    0800 111 0 550 (Mo–Fr 9:00–11:00, Di und Do 17:00–19:00, kostenlos).

Offizielle Hilfeportale für Familien:

Krisenhilfe:


Wichtig: Dieser Text ist keine Diagnose und kein Ersatz für eine persönliche Beratung oder medizinische Hilfe.
Wenn Sie bei einem Jugendlichen ernsthafte Veränderungen im Verhalten oder emotionalen Zustand bemerken, ist es besser, dies mit einem Fachmann zu besprechen, als zu hoffen, dass es «von selbst vorbeigeht».

Autorin: Irina Kimnatna, Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg.

Bereit für Veränderungen?

Wenn Sie das Gefühl haben, allein nicht weiterzukommen, oder einen strukturierten Aktionsplan für Ihre Familie benötigen — vereinbaren Sie eine Beratung.

Das Erstgespräch ist eine Möglichkeit, die Situation von außen zu betrachten und zu verstehen, welche Schritte Ihnen helfen können.