Manchmal beschreiben Eltern es so: «Scheidung ist eine schwierige Zeit für die ganze Familie, aber besonders für Jugendliche. Er erlebt bereits Pubertät, und jetzt auch noch Scheidung der Eltern. Wir wissen nicht, wie wir ihn in dieser schwierigen Zeit unterstützen können.»
In der Zwischenzeit zu Hause:
- der Jugendliche reagiert unterschiedlich auf Scheidung — Wut, Traurigkeit, Angst, Isolation;
- Sie sehen Verhaltensänderungen, wissen aber nicht, wie Sie helfen können;
- Schaffung einer neuen Familie (Patchwork-Familie) fügt neue Herausforderungen hinzu;
- Sie möchten den Jugendlichen unterstützen, Beziehungen bewahren, wissen aber nicht wie.
Und die Frage entsteht: Wie unterstützt man Jugendliche bei Scheidung und in neuer Familie, damit es wirklich hilft und nicht noch mehr Stress erzeugt?
Ich bin Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg. In diesem Artikel erkläre ich:
- warum Scheidung für Jugendliche schwierig ist;
- wie man Jugendliche bei Scheidung unterstützt;
- wie man hilft, sich an neue Familie (Patchwork-Familie) anzupassen;
- wann professionelle Hilfe nötig ist.
Wenn Sie beim Lesen merken, dass Sie Ihre spezifische Situation besprechen möchten, können Sie über den Bereich «Für Eltern» ein Kennenlerngespräch vereinbaren.
1. Warum Scheidung für Jugendliche schwierig ist
Jugendlicher und Scheidung
Scheidung im Jugendalter ist besonders schwierig, weil:
- Jugendlicher erlebt bereits Krise — Pubertät selbst ist eine schwierige Zeit;
- Verlust von Stabilität — Scheidung zerstört gewohnte Welt;
- Schuldgefühl — Jugendlicher kann denken, dass es seine Schuld ist;
- Loyalitätskonflikt — Jugendlicher will nicht zwischen Eltern wählen.
Studien zeigen, dass Unterstützung der Eltern kritisch wichtig für Anpassung des Jugendlichen an Scheidung ist.
Reaktionen des Jugendlichen auf Scheidung
Jugendlicher kann unterschiedlich reagieren:
- Wut — auf Eltern, auf Situation, auf die Welt;
- Traurigkeit — Verlust der gewohnten Welt;
- Angst — was wird passieren?;
- Schuld — «Das ist meine Schuld»;
- Isolation — Rückzug, Verweigerung von Kommunikation.
Das sind normale Reaktionen. Ihre Aufgabe — den Jugendlichen unterstützen und helfen, mit diesen Gefühlen umzugehen.
2. Wie man Jugendliche bei Scheidung unterstützt: praktische Schritte
Schritt 1: Sprechen Sie offen
Jugendlicher hat das Recht zu wissen, was passiert:
- Erklären Sie Situation — was passiert, warum (ohne Beschuldigungen des anderen Elternteils);
- Beantworten Sie Fragen — Jugendlicher kann viele Fragen haben;
- Seien Sie ehrlich — aber berücksichtigen Sie Alter und Reife des Jugendlichen.
Offenheit schafft Vertrauen und reduziert Angst.
Was dem Jugendlichen zu sagen:
- «Papa/Mama und ich haben uns entschieden, uns zu trennen. Das ist nicht deine Schuld.»;
- «Wir beide lieben dich und werden weiter für dich sorgen.»;
- «Du kannst alle Fragen stellen, ich werde ehrlich antworten.».
Schritt 2: Beziehen Sie Jugendlichen nicht in Konflikt ein
Jugendlicher sollte nicht Vermittler oder Zeuge von Konflikten sein:
- Sprechen Sie nicht schlecht über anderen Elternteil — das zwingt Jugendlichen, Seite zu wählen;
- Nutzen Sie Jugendlichen nicht als Vermittler — kommunizieren Sie direkt mit anderem Elternteil;
- Fragen Sie nicht über anderen Elternteil — «Was hat Papa/Mama gesagt?» erzeugt Druck.
Jugendlicher hat das Recht, beide Eltern zu lieben ohne Loyalitätskonflikt.
Schritt 3: Bewahren Sie Stabilität
Scheidung zerstört Stabilität. Ihre Aufgabe — neue schaffen:
- Rituale — bewahren Sie wichtige Rituale (gemeinsame Abendessen, Spaziergänge);
- Zeitplan — vorhersehbare Zeitpläne für Treffen mit beiden Eltern;
- Regeln — Regeln bleiben, auch wenn Familie sich geändert hat.
Stabilität gibt dem Jugendlichen Gefühl von Sicherheit.
Schritt 4: Erkennen Sie Gefühle an
Jugendlicher hat Recht auf seine Gefühle:
- «Du hast das Recht, wütend zu sein» — Gefühl anerkennen;
- «Ich verstehe, dass dir traurig ist» — Traurigkeit anerkennen;
- «Es ist normal, so zu fühlen» — Gefühle normalisieren.
Gefühle anzuerkennen bedeutet nicht Zustimmung — es bedeutet Verständnis.
3. Unterstützung in neuer Familie (Patchwork-Familie)
Schaffung neuer Familie
Schaffung einer neuen Familie (Patchwork-Familie) ist eine neue Herausforderung:
- Neue Rollen — Stiefvater/Stiefmutter, Stiefgeschwister;
- Neue Regeln — Regeln können sich von früheren unterscheiden;
- Neue Dynamik — neue Familiendynamik.
Das braucht Zeit und Geduld.
Wie man Jugendlichen hilft, sich anzupassen:
- Geben Sie Zeit — Anpassung passiert nicht sofort;
- Respektieren Sie Grenzen — Jugendlicher kann neuen Familienmitglied nicht sofort akzeptieren;
- Bewahren Sie Verbindung zu beiden Eltern — Jugendlicher sollte nicht wählen müssen.
Grenzen und Regeln
In neuer Familie ist es wichtig, Grenzen und Regeln zu etablieren:
- Besprechen Sie Regeln gemeinsam — diktieren Sie nicht von oben;
- Berücksichtigen Sie Meinung des Jugendlichen — er hat Mitspracherecht;
- Seien Sie konsequent — Regeln müssen verständlich und konsequent sein.
Grenzen geben dem Jugendlichen Gefühl von Sicherheit und Kontrolle.
4. Wann professionelle Hilfe nötig ist
Wenden Sie sich an einen Fachmann, wenn:
- der Jugendliche sich komplett von der Familie isoliert;
- es Anzeichen von Depression, Angst, Selbstverletzung gibt;
- Konflikte ständig und zerstörerisch geworden sind;
- der Jugendliche sich weigert, einen Elternteil zu sehen;
- Schulleistungen drastisch gefallen sind;
- Sie sich hoffnungslos fühlen und nicht wissen, was zu tun ist.
Das ist keine Schwäche — das ist Fürsorge. Scheidung und Schaffung einer neuen Familie sind komplexe Prozesse, die professionelle Unterstützung erfordern können. Beratung für Eltern in Nürnberg kann helfen, die richtige Strategie zu finden.
5. Häufig gestellte Fragen zu Scheidung und neuer Familie
Wie sagt man Jugendlichen von Scheidung?
Sprechen Sie offen und ehrlich, ohne Beschuldigungen des anderen Elternteils. Erklären Sie Situation, beantworten Sie Fragen, erkennen Sie Gefühle des Jugendlichen an.
Was tun, wenn Jugendlicher sich selbst beschuldigt?
Erklären Sie, dass es nicht seine Schuld ist. Scheidung ist Entscheidung von Erwachsenen, nicht von Jugendlichen. Wiederholen Sie das so oft wie nötig.
Wie hilft man Jugendlichen, sich an neue Familie anzupassen?
Geben Sie Zeit. Anpassung passiert nicht sofort. Respektieren Sie Grenzen des Jugendlichen, bewahren Sie Verbindung zu beiden Eltern, etablieren Sie verständliche Regeln.
6. Wenn Hilfe nicht «irgendwann», sondern jetzt nötig ist: wichtige Kontakte in Deutschland
Wenn Sie ein Lebensrisiko sehen oder das Gefühl haben, dass die Situation außer Kontrolle gerät, warten Sie nicht auf einen freien Termin — weder bei einem Berater, noch bei einem Coach, noch bei einem Therapeuten.
Bei akuter Lebensgefahr (Suizidgedanken, Selbstverletzung):
- 112 — Notruf (rund um die Uhr);
- 110 — Polizei (wenn direkte Gefahr für die Sicherheit besteht).
Krisenpsychologische Hilfe:
- Telefonseelsorge:
0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr, kostenlos, anonym); - Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche):
116 111 (Mo–Sa 14:00–20:00, kostenlos); - Nummer gegen Kummer (für Eltern):
0800 111 0 550 (Mo–Fr 9:00–11:00, Di und Do 17:00–19:00, kostenlos).
Offizielle Hilfeportale für Familien:
- Familienportal des BMFSFJ — offizielles Portal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) — Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Krisenhilfe:
- Nummer gegen Kummer — offizielle Informationen zu Beratungstelefonen für Kinder, Jugendliche und Eltern
- Telefonseelsorge — Telefonseelsorge (rund um die Uhr)
Wichtig: Dieser Text ist keine Diagnose und kein Ersatz für eine persönliche Beratung oder medizinische Hilfe.
Wenn Sie bei einem Jugendlichen ernsthafte Veränderungen im Verhalten oder emotionalen Zustand bemerken, ist es besser, dies mit einem Fachmann zu besprechen, als zu hoffen, dass es «von selbst vorbeigeht».
Autorin: Irina Kimnatna, Beraterin für Jugendentwicklung in Nürnberg.